NOTGANZSACHEN

Einen weiten Raum im Sammelgebiet "Deutsche Notmaßnahmen ab 1945 e.V." nehmen die Notganzsachen ein. Der Mangel an gültigen Briefmarken, qualifizierten Druckereien, Fachpersonal und Rohstoffen wie Druckfarben, Kartonpapier usw. führten dazu, dass vornehmlich in den westlichen Besatzungszonen in den ersten Monaten nach Wiedereröffnung des Postverkehrs eine Vielzahl von Notganzsachen verausgabt wurden.



Philatelistisch wird unterschieden nach

Aufbrauchsausgaben
: Hierbei handelt es sich um Postkarten der Hindenburg- und Hitler-Ausgaben des 3. Reiches. Vor ihrer Weiterverwendung wurde der alte Wertstempel und ggf. Werbespruch durch Ausschneiden, Schwärzen oder Überdruck ungültig gemacht. Als Zeichen ihrer Gültigkeit wurden sie nur mit einem Ausgabekontrollstempel - oftmals in Form eines Tagesstempels - und/oder aufgedruckten Gebührenvermerk versehen.




Aufbrauchsausgabe des Postamtes Hamburg 36 vom 14.6.45

Behelfsausgaben: Die Herstellung der Behelfsausgaben wurde im Auftrag der einzelnen Reichspostdirektionen (RPD) - zum Teil aber auch von einzelnen Postämtern - bei den örtlichen Druckereien in Auftrag gegeben. Als Wertstempel wurde ein Gebührenvermerk eingedruckt. Vor Abgabe an die Postbenutzer erhielten sie in der Britischen Besatzungszone vielfach einen Tagesstempel zur Ausgabekontrolle - in einigen RPD ersatzweise einen Dienstsiegel-Abdruck.




Behelfspostkarte mit Dienstsiegel des Postamtes Dortmund vom 16.7.1945

Lokale Notausgaben: Sie wurden in der Regel von einzelnen Postämtern auf privaten Postkarten-Formblättern hergestellt. Zum Nachweis der entrichteten Freigebühr erhielten sie zumeist einen durch Handstempel angebrachten Gebührenvermerk, der vielfach durch Abdruck eines Tagesstempels als Ausgabekontrollstempel - in verschiedenen RPD-Bezirken der Britischen Besatzungszone auch durch einen Dienstsiegel-Abdruck - bestätigt wurde.




Lokale Notausgabe des Postamtes Witten-Annen

In gleicherweise wurden auch die Behelfsausgaben und die inzwischen erschienenen regulären Ganzsachen der AM POST- und Kontrollratsausgaben anlässlich der Portoerhöhung zum 1.3.1946 aufgewertet und als vollwertige Postkarten an die Postbenutzer verkauft.
Auch diese Belege zählen zu den lokalen Notausgaben.




Lokale Notausgabe des Postamtes Milspe - Aufwertung der 6 Pf AM POST-Ganzsache durch "Gebühr bezahlt" -Stempel + Dienstsiegelzudruck